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„Warum ich den Söhnen Mannheims mein zweites Leben als Künstler verdanke…“

  • 14.04.201614/04/16

oder… „Wie ein Bierdeckel alles verändern kann.“

Ja, ja, ich habe eine Castingshow gewonnen und somit bin ich mit meinen 15 Minuten Ruhm ja auch schon durch. Zu dem Thema ist alles gesagt (und mit Martin Kesici als Buch geschrieben) und auf der verbrannten Erde ist mittlerweile auch wieder eine schöne Wiese gewachsen. Nicht zuletzt, weil ich immer an einem Leitspruch festgehalten habe und heute wie damals sage, ich bin dort hingegangen um zu zeigen „Hey, ich kann singen, aber ich kann noch besser Texte schreiben!“. Der Leitspruch? Damals, wie heute gilt für mich: „Wer sich nur auf Gesang verlässt, der ist verlassen.“ Es gibt unzählige tolle Stimmen in unzähligen Formaten, zählbar bleibt nur die Haltbarkeit, die eben das Mindesthaltbarkeitsdatum einer Packung Toast meist nicht überschreitet. Und dann? Dann muss man, wie vorher auch, den Mut finden mit dem weiter zu machen was man kann und das war bei mir nun mal schon immer die Leidenschaft für das Schreiben. Bücher? Hab ich gemacht. Hat Spaß gemacht, gerade die eigene Kinderbuchreihe. Singen? Ja, endlich wieder gerne. Songtexte? Ja, absolut und heute mehr denn je. Diese Türe hat mir das Casting geöffnet und sie steht auch heut noch weit offen. Ob Songtexte für Grimm trifft Grimm, Der kleine Prinz, 33 Songtexte für Universals „Unsere besten Kinderlieder…“, gestandene Bands wie Franz K., Newcomer mit Potenzial und eben auch für und mit Richard Geppert, mit dem ich nun seit 10 Jahren künstlerisch kreativ sein kann und der auch der erste war, der mein Talent fürs Songtexten gesehen und gefördert hat. Was hat das jetzt mit den Söhnen Mannheims zu tun?

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Timetable „Donauinselfest“

Das erkläre ich gern. Als Castingband die gerade in den Charts weit oben steht, passiert es, wenn der Zufall es will, dass man mit großartigen Bands wie eben den Söhnen Mannheims auf einer Bühne landet. So geschehen 2005 in meiner liebsten Stadt Wien, auf dem Donauinselfest. Wir waren mit Nu Pagadi für 18 Uhr angesetzt und als Headliner des Abends waren die Söhne Mannheims angesagt. Es war einer der schönen Tage unserer Bandgeschichte, warmes Wetter, Rückkehr in die Stadt, die mir als Jugendlicher die Freiheit zeigte und dann auch noch Auftreten vor zigtausend Menschen. Der Soundcheck war beendet und ich sonnte hinter der Bühne als die Söhne das Gelände betraten und kurze Zeit später Apfeltabak die Luft in einen perfekten Sommerabend tauchte. Wir spielten unseren Gig und danach sah ich mir vom Mischpult vor der Bühne aus den Auftritt der Söhne an. Eine Wand an Sound und Gefühl – mehr Worte fallen mir selbst heute nicht ein, aber so fühlte sich dieser perfekte Gig an. Danach packten wir alles zusammen und gingen ins Hotel an die Bar. Kurz nach uns trafen auch die Söhne ein und dann kam es zu den Momenten die man nicht bezahlen kann, was im Kleinen und nicht auf der großen Bühne passiert. Man macht was man als Musiker so macht – Musik. Ein paar Musiker und Sänger der Söhne saßen also mit Pat und mir an der Bar. Claus Eisenmann von den Söhnen, der mir mit „Und wenn ein Lied“ vom Abend noch in den Ohren lag, schnappte sich eine Gitarre und wir fingen an zu jammen. Nach ein paar Liedern stimmte er ein Lied an und sagte: „Der ist neu, dafür habe ich noch keinen Text.“ und dann geschah es. Eigentlich bin ich Pat unendlich dankbar, ich hätte mich selbst nicht getraut, aber er stieß mich vom Barhocker und sagte: „Komm mach, improvisier was, du kannst das.“ Claus spielte den Song, ich fing an zu singen und improvisierte auf seine Melodie einen deutschen Text. Zum Glück wurden die Worte direkt auf einem Bierdeckel festgehalten und ich schrieb eine weitere Strophe auf die Rückseite. Claus klopfte mir bestätigend auf die Schulter, ich schrieb meine Telefonnummer auf den Bierdeckel und schenkte ihm den Bierdeckel mit dem Text. Das war es, wir tranken aus, verabschiedeten uns und gingen unsere Wege.


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Richard Geppert (vorne links) Me (vorne rechts)

Das Jahr zog in aller Eile ins Land und kurz vor Weihnachten klingelte mein Telefon mit einer mir unbekannten Nummer. „Hallo, Claus Eisenmann hier. Ich arbeite an einer Solo-CD und ich hätte dich gerne als Texter dabei. Richard Geppert ist mein Komponist und ihr solltet euch kennenlernen.“ Richard Geppert, Komponist von Songs wie „Nicht von dieser Welt“ von Xavier Naidoo und ich soll ihm Texte liefern? Nie im Leben! Oder doch? Anfang 2006 saß ich im Auto und fuhr zu einem Treffen mit Claus und Richard. Wir verstanden uns super und direkt zurück daheim hatte ich den ersten Song im Postfach. Es sollte ein Liebeslied sein, aber kein klassisches, eher eines aus der Sicht der geliebten Person die immer zu spät ist für die berühmten drei Worte. Also, ans Werk. Wir arbeiteten an verschiedenen Nummern, leider kam es nie zur Veröffentlichung der CD. So blieb der Song bei mir und Richard und wir nahmen eine Markus-Version davon auf. Das ist nun 10 Jahre her und in diesen 10 Jahren haben Richard und ich uns zu großartigen Freunden entwickelt. Er ist ein Freund geworden, der meine musikalische Sprache spricht, aus meinen Worten Melodien lesen kann und meine Texte in schmeichelnde Noten bettet, auch so als moralische Instanz an meiner Seite steht – der glaubt und nicht in Schubladen denkt. Wir haben ein Musical für Heidelberg zusammen umgesetzt, das vor großem Publikum an einem Stadtjubiläums-Wochenende begeistert gefeiert wurde. Seit 2 Jahren arbeiten wir nun, zusammen mit Zapo und Frank Schultz an „Freiheit, eine deutsche Rockoper“ und haben am vergangenen Wochenende eine wundervolle Tryout-Premiere mit tollem Ensemble vor begeisterten Zuhörern erleben dürfen. 2017 soll, so es die Kraft des Stückes ermöglicht, die große Premiere als vollwertiges Bühnenstück stattfinden. Mit dabei, 12 Songtexte die ich für die Rockoper schreiben durfte. Was 10 Jahre alles so möglich machen. Heute schaue ich auf einen kleinen Bierdeckel zurück und bin meiner Casting-Vergangenheit, Pat und eben der Begegnung mit den Söhnen Mannheims unendlich dankbar. Danke für ein zweites künstlerisches Leben nach den 15 Minuten Ruhm.

Hier nun der erste Song, den ich mit Richard schreiben durfte: „Ich dich auch“ – für euch zum hören, nie veröffentlicht… Warum nicht? Na ja, die 15 Minuten sind ja durch und so… 🙂

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